Dienstag, Oktober 04, 2005

Drawing Hands

Immer wieder kommt es vor, dass uns der Flop eine Drawing Hand beschert. Drawing Hand bedeutet für uns, es fehlt uns nur eine Karte um eine gemachte Hand zu bekommen, am liebsten eine Monsterhand mit den Nuts (bestmögliche Hand).
Wichtig für uns ist zu wissen, wie bekomme ich solch eine Monsterhand möglichst billig und wenn ich sie habe, wie bekomme ich das meiste Geld von meinen Gegnern.
Immerwieder wirst Du es erleben, dass Dich die anderen Spieler zum "Luckiest Player of the World" küren, wenn Du mal wieder Deinen Draw getroffen hast. Doch Du selber weisst, wie häufig Du Geld in den Pott bezahlt hast und Du Deine Karten folden musstest, weil Dein Draw daneben ging.
Unser Ziel ist doch ganz klar: "Cheap missed Pots, Big hitted Pots"

Du musst erstmal ein Gefühl dafür bekommen, was ein guter Draw ist und was ein schlechter Draw ist. Unsere Hilfsmittel hierfür sind die Outs und die Odds darauf, dass wir unsere Karte bekommen. (Tabelle: Outs und Odds)
Wenn Du ein Open-End-Straight-Draw (OESD) floppst, dann hast Du 8 Karten, die Dir einen Straight bringen, hast Du nur einen Inside-Straight-Draw (Gutshot Straight), verbleiben Dir nur 4 Karten und mit einem Flush-Draw hast Du 9 Outs. Das bedeutet für uns, wir können mehr Geld in ein OESD oder Flush-Draw investieren als in einen Gutshot-Straight-Draw. Auch wenn das klar zu sein scheint, gibt es genügend Spieler die viel Geld in einen Gutshot-Straight-Draw investieren.
Wenn wir nun eine Drawing Hand bekommen, dann ist unser erstes Ziel möglichst viele FreeCards bzw. billige Karten zu bekommen. Sagen wir Du hast einen Flush-Draw und alle checken bis zu Dir, was weisst Du nun, nichts weisst Du. Du weisst nicht was die anderen haben könnten, wenn wir mal ein normales Preflop Spiel voraussetzen. Einige Spieler versuchen nun den Pot zu kaufen durch einen starken Bet. Dies ist keine gute Idee, denn Du hast noch keine gemachte Hand. Wenn vor Dir nun 1 oder 2 Spieler ihre Hand Slow-Play gespielt haben, dann wirst Du mit einem Raise konfrontiert, callst diesen Raise und alle anderen folden. Nun triffst Du nicht auf dem Turn und Dein Gegner wird einen weiteren hohen Bet spielen. Jetzt hast Du nur die Möglichkeit zu folden um Deine Verluste zu begrenzen oder Du gehst mit bei nur 20% Chance Deine Hand zu komplettieren. Beide Optionen sind nicht besonders prickelnd. Wenn Du callst und verfehlst auf dem River, dann stehst Du genauso da wie auf dem Turn. Manche Spieler versuchen dann den Pot noch zu kaufen durch einen grossen Bet, obwohl sie ihren Draw verfehlt haben. Manchmal klappt das auch, aber vielfach lässt sich ein zuvor aggressiver Spieler, der vielleicht sogar die Nuts hält, auch von einem grossen Bet nicht zum Folden verleiten.
Zurück zu unserer Option auf dem Flop zu checken und die Turnkarte "ForFree" zu bekommen. Wenn Du nun nicht getroffen hast und ein oder mehrere Spieler vor Dir nun setzen und raisen, dann kannst Du Dir ausrechnen, dass Call nicht die richtigen Potodds hat und Du foldest ohne weiteres Geld investiert zu haben.
Jedesmal also, wenn Du auf eine Karte wartest, die Deine Hand verbessern soll, dann solltest Du zusehen, diese Karte billig zu bekommen.
Manche Spieler glauben, sie müssten den Pot aufbauen, wenn sie auf einem Draw sind, aber bedenke, wenn es $10 kostet eine Karte zu sehen und es sind 6 Spieler beteiligt, dann ist der Pot $60. Wenn dagegen die nächste Karte $40 kostet, dann sind nur 2 Spieler im Pot und der Pot ist nur $80. Die Potdifferenz ist nur $20, aber Du sparst $30 beim billigen Spiel. Ausserdem kannst Du den Pot erhöhen, wenn Du erstmal getroffen hast.

Das Spiel mit den Drawing Hands ist nicht ganz einfach, und es neben den Outs und Odds auch vom Spielstil der Gegner mit beeinflusst. Aber wenn Du Dein Spiel bei den Drawing Hands verbesserst, dann bist Du auf dem Weg vom Fish über den Barracuda zum Hai. Und wenn dann die Leute anfangen, Dich am Pokertisch "Lucky" zu nennen, dann kannst Du Dich zurücklehnen, lächeln und denken Texas Hold'em ist kein Glücksspiel, es ist ein Geschicklichkeitsspiel.